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Die Geschichte des Schäfersees

Ein kleiner Auszug zur Geschichte des Schäfersees


Zum Ursprung unseres Schäfersees müssen wir weit bis zur Weichseleiszeit zurückblicken. Die Eisrandlage dieser letzten der großen Eiszeit lag etwa 50 km südlich von Berlin in der Linie Brandenburg Stadt, Luckenwalde und Guben.


Als sich vor etwa 14.000 Jahren das Eis aus diesem Gebiet zurückgezogen hatte, lag eine kalte vegetationsfreie Geröllwüste frei, auf der eisige Winde große Mengen von Sand vor sich her trieben und zu wandernden Binnendünen aufwehten, die heute, nun durch Vegetation befestigt, große Teile der Landschaft Brandenburgs und Berlins prägen (so liegt der Tegeler Forst auf einer dieser Dünen).  


Im Brandenburg-Stadium der Weichseleiszeit hatten sich unter dem Eis zahlreiche glaziale Rinnen geformt, in denen später viele der Seen und Seenketten Brandenburgs und Berlins entstanden. Im Permafrostboden dieser mehrere Jahrtausende währenden trockenen Kaltzeit hatten die schmelzenden Gletscher viele Toteisblöcke zurückgelassen.


Einer davon, mitten im Berliner Urstromtal gelegen, sollte unser Schäfersee werden. Seine kreisrunde Form bezeugt seinen Ursprung. Viele der damals entstandenen Seen existierten nicht lange. Sie wurden zugeweht oder verlandeten später. 


Ein Grund für das Fortbestehen unseres Sees durch die Jahrtausende mag seine beträchtliche Tiefe sein; die alten Muddeablagerungen (Seeschlamm aus circa 65% organischen und 35% anorganischen Masseanteilen) unter der heutigen „zivilisationsbedingten“ Schlammschicht sollen weitere acht Meter messen. Auch heute noch ist der See vier bis sieben Meter tief.


Unser See war über die meiste Zeit von sandigen Fluren und ausgedehnten Feuchtgebieten umgeben, seine Ufer wahrscheinlich von einer breiten Verlandungszone aus Schilf und auch Schwingrasenflächen geprägt. Die am See oder in der Nähe siedelnden Menschen mussten sicher immer wieder seine Verlandungszonen bearbeiteten. 


Der See garantierte ihr überleben, denn diese Gegend war ein armer Siedlungsplatz. Der sandige Boden gab wenig Nährstoffe für den Anbau von Ackerfrüchten her, ausgedehnte Feuchtgebiete mussten immer wieder trockengelegt werden.


Wann in vorgeschichtlicher Zeit in der Nähe des Schäfersees mit erster Landwirtschaft begonnen wurde, liegt im Dunkeln. Bauernleben im Mittelalter am Schäfersee könnte ähnlich ausgesehen haben, wie es uns die Forschungen in Düppel zeigen. Die rekonstruierten Häuser jenes Dorfes deuten jedoch auf eine vorwiegend slawische Bevölkerung hin.


In Europa setzten sich Kehrpflüge mit umsetzbarem Streichbrett erst im späten Mittelalter durch. Bis zu dieser Zeit wurde der Boden vorwiegend mit dem Hakenpflug bearbeitet; das fiel auf Sandböden leichter, denn auf schwereren Böden, wie z.B. Lössboden. Weshalb dieser Siedlungsplatz, das spätere Dorf Renekendorp, nicht so bald wieder verlassen wurde, wie z.B. die alte Siedlung in Düppel (etwa 1180 bis 1230), ist sicher auch dem Schäfersee und seinem Fischreichtum zu danken und natürlich auch der inzwischen gewachsenen Verbindung mit der jungen Doppelstadt Cölln-Berlin.


Das Dorf Renekendorp wurde erstmals 1345 in einer Urkunde über militärische Stationierungskosten erwähnt. Genaues zu seinem Ursprung oder dem seines Namens ist nicht bekannt. Eine Gruppe junger Neusiedler aus der Gegend des heutigen Niedersachsen, die sich am Rande des Barnim  niederließen, hatte einen Anführer namens Reinhard, der mag der Namensgeber gewesen sein. Noch geheimnisvoller ist die angebliche Existenz einer Siedlung namens Nyenhofe (später Neuendorf, dann Neuenhagen genannt). Das Gebiet dieser geheimnisumwitterten Siedlung lag nahe am Schäfersee, der damals Renekendorpscher See hieß.


Bekannter war dann das Rittergut Neuenhagen, zu dem Renekendorp gehörte, mit seinem Gutshof am Renekendorpschen See gelegen. Eine letzte Erwähnung des ursprünglichen Ortes findet sich im „Buch der übertretungen“ wo Anfang des 15. Jahrhunderts die Hinrichtung eines Pferdediebes und die eines Schäfers und Brandstifters vermerkt wurden. 


Der Rittergutshof zog später an den Dorfanger Renekendorps. Später erzählte man sich von den Resten des geheimnisvollen Nyenhofes, die am Grunde des Renekendorpschen Sees liegen sollen - auch Reinickendorf hat also sein „Vineta“. (Von einer Sturmflut des Renekendorpschen Sees, die Nyenhofe „verschlang“, ist allerdings nichts bekannt.) 

Aus dem 15. Jh. bezeugen etliche genaue Aufzeichnungen die Abgabepflichten der Renekendorpschen Bauernschaft und die wachsende Verbindung und Abhängigkeit des Dorfes von Cölln-Berlin. Die Dorfbewohner haderten immer wieder mit der Berliner Obrigkeit um diese Abgabepflichten, denn das Wirtschaften auf sandigen Flächen, karger Magistratsheide und von der Peckwisch (oder Packwische) ausgehendem Sumpfland  war schwer.


1543 ordneten Cölln und Berlin ihre Besitzverhältnisse neu, Renekendorp unterstand von da an allein dem Magistrat von Berlin. Berlin war in ständigen Etatnöten, weshalb Renekendorp oft verpachtet, verpfändet, schließlich auch verkauft wurde. Das Dorf wurde und blieb das Stiefkind unter den Kämmereigütern Berlins. Aus der Folgezeit bis zur Mitte des 30jährigen Krieges gibt es wenig Berichte. Im Jahre 1632 verkaufte Berlin Renekendorp an den Handelsherren Peter Engel. Berlin erzielte 10.000 Taler aus diesem Verkauf, die in den Schuldendienst flossen. 


Berlin schröpfte die verarmten Dörfer, um seinerseits in diesen Kriegszeiten zu überleben. Wir lesen z.B. vom Oberst Jenß v. Hadersleff, der mit 44 Kanonen und 12.000 Mann am 31.10. 1636 vor Berlin zog und der Stadt 30.000 Taler abpresste, sicher nur einer von vielen Uebergriffen. 

Mit dem Verkauf des Dorfes begannen auch die schier endlosen Grenzstreitigkeiten mit dem Dorf und Lehnsgut Wedding. Peter Engel bemühte sich zunächst sehr um Dorf und See, förderte auch Fischzucht in den Bieselpfühlen nah am See, doch der Krieg vereitelte alles. Die Bauern verließen ihre Felder und suchten Zuflucht in Berlin, der Gutshof brannte nieder, die Felder wuchsen zu, die Magistratsheide bewaldete sich und die Fischzucht in den Bieselpfühlen fand ein Ende. Nach zeitgenössischen Berichten kam das Dorf wirtschaftlich und sozial völlig herunter.


1710 schließlich kaufte Berlin das Dorf für 4341 Taler, 18 Groschen und vier Pfennige zurück. Aus diesem Jahr kennen wir auch den Bericht eines besorgten aber auch tatkräftigen Zeitgenossen über den Zustand des Schäfersees. Diesem Zeitgenossen verdanken wir das Fortbestehen des Sees. Hier sein Bericht: „Der Reinickendorfsche See ist ganz allmählich zu räumen, sowohl vom Holze als vom schwemmenden Fenn; überdem muß oberhalb des Sees nach dem Bruche zu ein kleiner Graben 15 Ruten lang, oben 6 Fuß und unter 3 oder 2,5 Fuß breit, angefertigt werden, damit der Fisch, wenn er im Frühjahr austritt, sich wieder bei fallendem Wasser nach dem See begeben kann………“



Der Schäfersee wurde durch diesen Aufruf gerettet, nicht aber die Bieselpfühle. Die Zeiten blieben schwer, den Bauern musste die Pacht erlassen werden, weil Hagelschlag und Heuschreckenplage ihre Ernten vernichteten, die vermutlich schlecht gepflegten Schafe standen auf nassen Wiesen, das begünstigte die Ausbreitung von Moderhinke und Leberegeln, ein großes Schafsterben war die Folge.

Trotz erlassener Pacht blieben die Hand- und Spanndienste, die den Bauern für den Wiederaufbau des Gutshofes und seines Hauses abverlangt wurden, ein fortdauerndes ärgernis. Der Berliner Magistrat wollte nun Klarheit in die Besitzverhältnisse bringen, um den Streit mit dem Wedding zu beenden und beauftragte den Landvermesser Johann Christoffer Friemel, die Reinickendorfer Feldmark zu vermessen. Dieses „Hof- und Ackerregister“ ist heute ein wertvolles Dokument der Geschichte des Dorfes. Die Vermessung beendete die Grenzstreitigkeiten mit Wedding jedoch nicht. Weitere Grenzkonflikte ergaben sich aus dem Bau eines Artillerieschießplatzes, den der König südlich des Schäfersees anlegen ließ. 


Im Jahre 1793 griff schließlich die Kriegs- und Domänenkammer ein und schrieb an den Magistrat von Berlin: „Ihr seid als Gutsobrigkeit und persona moralis, welche ihre ganze Existenz dem Staate zu danken hat, doch schuldig eher einen künftigen Gewinn zu verleugnen, als diesen auf Kosten der Gemeinde, oder was einerlei ist, auf Kosten des Staates zu verlangen.“ Ab 1797 gab es einen neuen Erbpachtvertrag, mit dem die Bauernfeldmark, das Guts- und Vorwerkland, das Ackerland des Lehnschulzengerichts und das Pfarr- und Kirchenland zu einer neuen in drei Felder geteilten Feldmark zusammengefasst wurden, die alle Bewohner gleichberechtigt bewirtschaften sollten.


Die alte Schäferei (Residenzstraße 109) wurde in zwei Büdnerhöfe umgebaut. Die Fischerei auf dem Schäfersee, der zu jener Zeit noch Reinickendorfscher See hieß, blieb der Gemeinde vorbehalten. Die im Gemenge bewirtschafteten äcker und Wiesen wurden 1821 getrennt und unter den Ackerwirten gleichmäßig verteilt. 


Das alte Vorwerk besteht nun nicht mehr, dessen Acker wurde abgetrennt und verpachtet. Diese Pacht und die Abgabe von etwa 500 Talern durch das Angerdorf sowie die Patronatsrechte blieben dem Magistrat erhalten. Unterdessen rückte die Stadt immer näher, 1853 wurden aber die restlichen Abhängigkeiten von Berlin beendet.

Mit der Ablösung der letzten Realabgaben an Berlin in Höhe von 12.415 Talern wurde Reinickendorf frei. Den neuen Landbesitzern eröffneten sich Spekulationsmöglichkeiten, die Bodenpreise stiegen rasch, Reinickendorf konnte zu einem Vorort  Berlins werden, Ausflugsziel der Berliner.

Unser Schäfersee, inzwischen hat sich dieser Name eingebürgert, weil der Schäfer wohl regelmäßig seine Schafe vor der Schur im See wusch, war über lange Zeit ein sauberes Gewässer, Mensch und Tier tranken sein Wasser. Er war lange durch den Blockgraben mit der Packwische (heute Peckwisch), einem ausgedehnten nördlicher gelegenen Feuchtgebiet verbunden. Der Blockgraben war sicher ein seit langem bestehender Entwässerungsgraben. Auch mit dem Tegeler See war unser Gewässer verbunden.


Die näher rückende Stadt brachte unserem See auch die ersten Probleme. Mit den Häusern und Menschen kamen viele neue Versorgungseinrichtungen in seine Nähe, Markthallen, Schlachthäuser, Lebensmittelfabriken und Gaststätten. Die Firma Mudrack gründete die erste Produktionsstätte von Stangeneis, der bald weitere folgten - alle mit ihren Lagerschuppen.


Berlin hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jh. bereits 83 Brauereien und für einen Hektoliter Bier brauchte man einen Quadratmeter Eis zur Kühlung. Mit der Stadt kam also die erste problematische Nutzung des Sees. 


Das Seewasser wurde knapp, der Blockgraben konnte nicht mehr genug Wasser anliefern, Zusatzbecken in der Nähe des Sees wurden gebaut. Im Zusammenhang mit der Bierherstellung kam es auch zu Einleitungen in den Schäfersee, die erste bekannte größere Verschmutzung seines Wassers. Aber noch war der See ein beliebtes Erholungsziel. 1895 wurde an ihm sogar ein Seebad mit getrennten Damen- und Herrenabteilungen eingerichtet. Die Schwimmer eines Vereins mit Namen „Delphin“ trainierten hier. Dieses Bad gab es gab es allerdings nur etwas mehr als zwei Jahrzehnte.


1929 wurde dann der Park gestaltet, der den See noch heute umgibt. Von diesem schützenswerten Gartendenkmal wird noch die Rede sein. Einige Zeit früher fassten Berlin und die aufkommende Kommune, die 1920 zum Verwaltungsbezirk Berlin werden sollte den Beschluss, der zum größten Problem unseres Sees werden sollten. Das Straßennetz wuchs überall. Welches Ausmaß der Verschmutzung das von ihm abgeführte Abwasser erreichen sollte, wusste man damals noch nicht, erahnte es vielleicht.